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Reinhard Senkel 
 

Mein erstes Projekt als „Architekt“ realisierte ich 1964 als Schüler in Bamberg. Ein meiner Familie bekannter Bäckermeister bat mich, einen Plan für den Einbau eines neuen Backofens für seine Bäckerei zu zeichnen. So stellte ich meine noch ungelenken Fähigkeiten zur Verfügung – und hatte Erfolg damit. Die Bäckerei und der Backofen stehen noch heute und für mich war es mein erster bezahlter Auftrag. Doch zunächst sammelte ich zwei Jahre Erfahrung als Maurer und Schreiner im Häuserbau.
Die Erfahrung und meine Lust am Planen und Gestalten führten mich, nach zweijähriger Tätigkeit als Maurer und Schreiner auf Baustellen, zum Studium der Architektur am Oscar von Miller Technikum in München. Neben meiner akademischen Ausbildung erwiesen sich meine handwerklichen praktischen Erfahrungen im Häuserbau als hilfreich bei der späteren Detailplanung und Beratung von Bauleuten.

Als freier Mitarbeiter in einem Münchener Architekturbüro kam ich 1978 das erste Mal in Kontakt mit den Prinzipien des ökologischen und biologischen Bauens. Dies war eine Idee, welche mich damals faszinierte und meine Arbeitsweise bis heute prägt.

Etwa zu dieser Zeit rückte auch zunehmend die Landschaftspflege und Gartenarchitektur in den Blick des öffentlichen Bewusstseins. Durch ein Zusatzstudium an der TU Weihenstephan erwarb ich mir meine Grundfertigkeiten bei der Gestaltung von Lebensräumen, die das Haus umgeben und seinen Charakter wesentlich mit bestimmen.

Der nächste wesentliche Schritt in zu einem immer besseren Verständnis von Raum, Mass und Wirkung in der Architektur, war die Begegnung mit dem harmonikalen Proportionssystem in der Musik. Die jahrelange Mitarbeit am Forschungskreis für Harmonik (Proportionslehre von Ton und Zahl) am freien Musikzentrum München unter Leitung von Peter Neubäcker, erwies sich als wegweisend für meine zukünftige Arbeit. Hier kamen mir meine musikalischen Studien und Ausbildungen in indischer und persischer Musik entgegen.

Die Übertragung der ganzzahligen Intervalle der Musik auf die Längen-, Breiten- und Höhenproportionen von Räumen, hinterließ eine erstaunliche Wirkung auf die Nutzer der Räume. Diese Ergebnisse regten mich zu einem Forschungsprojekt an, dessen Ziel es ist, durch immer weitere Verfeinerung dieses Verständnisses Räume zu schaffen, in denen ein freier Energiefluss möglich ist.

Studienaufenthalte in Indien und Australien schlossen sich an. Was gab es noch zu erforschen, um Wohn- und Lebensräume zu gestalten, die durch ihre Ausführung geeignet sind, die Gesundheit, Kreativität und das Wohlgefühl ihrer Bewohner zu unterstützen?

Ich begegnete vielen interessanten Antworten.

Am bedeutsamsten für meine Arbeit erwiesen sich Fort- und Ausbildungen:

  • zur Permakultur bei Bill Mollison/Australien und Sepp Holzer/Österreich
  • zur Anwendung des Feng Shui bei Marc Häberlin/Schweiz
  • zum I Ging – Lehre des Yin und Yang bei Rene van Osten
  • und zur westlichen Geomantie bei Ana und Marko Pogacnik

Diese Elemente zu integrieren, persönlich und in der Arbeit, verlangt eine systemische Denkweise. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, in welcher Weise interagieren all diese Elemente miteinander, wie ergänzen sie sich gegenseitig und wie müssen sie den gegebenen Umständen von Haus, Garten und Landschaft und ihren Bewohnern angepasst werden.

Dieses Wechselspiel zum Nutzen der Bauleute zu realisieren, ist mir in meiner Arbeit Freude und Bedürfnis zugleich und Anlass zu beständiger Forschung.

 
Reinhard Senkel